Aus der kleinen, feinen Reihe: Bücher, die uns begeistern

There have been gazillions of people that have lived before all of us. There’s no new problem you could have that someone hasn’t already had and written about it in a book.
— Will Smith

1. Reinventing Organzisations - Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit, Frederic Laloux

2. Die fünfte Disziplin - Kunst und Praxis der lernenden Organisation, Peter Senge

F*** off "Gewohnheitstier"! - tribute to Professor Spitzer

In Unternehmen und Organisationen bzw. Teams generell sind Routinen schlimmer als Regeln, denn Regeln kann man ändern. Professor Spitzer hat dieses Phänomen unserer Ansicht nach sehr treffend mit dem sogenannten "Gewohnheitstier" (s. Grafik) beschrieben.

Und wer kennt sie nicht? Denn diese fiesen kleinen Gewohnheitstiere funken immer dann dazwischen, wenn monatelang theoretisch geplante Veränderungen, tatsächlich in die Tat umgesetzt werden sollen. Statt konsequent zu verändern und neue Wege zu gehen, hält man lieber an "Altem", vermeintlich "Bewährtem" fest.

Warum tun wir das eigentlich immer wieder? Zunächst ist dabei wichtig zu erwähnen, dass Gewohnheiten per se nicht schlecht sind, sondern für Sicherheit, Orientierung und Stabilität sorgen. Das Problem besteht eher darin, dass wir das Gewohnheitstier jahrelang "hegen und pflegen" ohne es kritisch zu hinterfragen, während sich unsere Umwelt oder unser Team permanent verändert.

Ist Ihr Vorsatz für 2016 zwar "back to work, but NOT back to business as usual" , dann helfen wir Ihnen "to get rid of the shit, to make great shit"!

Radically Human – Keine erfolgreiche Strategie ohne Mensch

Heutzutage gibt es für alles eine Strategie: für das Marketing, für die Produkte, für die Kommunikation oder gleich für das ganze Unternehmen. Was dagegen fehlt: Eine Strategie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der Mensch als wesentlicher Faktor wird höchstens als Teil der Zielgruppenanalyse integriert oder als „Insight-Lieferant“ genutzt. Im Mittelpunkt steht er aber nicht. Dabei gilt seit jeher: Wer etwas verkaufen will, darf den Käufer nicht vergessen. Und das ist – früher wie heute – der Mensch. Wenn der Mensch, also das, was im Kern des Denkens stehen sollte, plötzlich nur noch Teil eines Prozesses und nicht mehr das Thema der Abläufe ist, läuft etwas falsch.

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Was entsteht aus einem Remix von Goethe, einem afrikanischen Ältestenrat und Jules Verne?

1. Aufbruch und Neuanfang

 "Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte." (Goethes Tagebucheintrag am 17.12.1786)

Mit diesen Worten beginnt die italienische Reise, die Goethe unter dem Malerpseudonym Filippo Miller, einige Wochen vorher begann. Für uns steht diese Anekdote symbolisch für das Thema Aufbruch und Veränderung, um Neues zu entdecken oder wie die schöpferische Kraft der Zerstörung bei Josef Schumpeter, um weiter innovativ zu bleiben.

2. Weisheit und Wissen

Durch den Besuch eines afrikanischen Ältestenrats fand der Autor John Izzo heraus, dass um das Leben maximal auskosten zu können, eher Weisheit als Wissen gefragt ist. Denn Weisheit ist etwas anderes und unendlich Bedeutsameres als Wissen. Wissen ist lediglich die Anhäufung von Fakten. An Weisheit dagegen herrscht ein akuter Mangel. Weisheit ist die Fähigkeit, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Denn solange man nicht herausfindet, was man wirklich will und worauf es ankommt, bleibt alles ein Stochern im trüben Wasser. 

3. Reformclub 

Jules Verne's Protagonist in dem Roman "In 80 Tagen um die Welt" ist Mitglied im Londoner Reformclub, dessen Credo lautet "a social club for reformers". Dieser Gedanke ist unserer Meinung nach aktueller denn je und wird von uns genutzt, um ihn nach den Gesetzmäßigkeiten der digitalen Welt zu interpretieren. Oder wie Bud Caddell sagt: "Digital isn't just a software, it is a mindset."

Und weil wir wissen, dass es da draußen noch andere gibt, die gerne in anderen Sphären denken und Grenzgänger sind, haben wir kurzerhand unseren eigenen Club gegründet - mit dem Vereinsmotto:  

"Get rid of the shit to make great shit."

Neugierig geworden? Mehr erfahren wollen? Oder direkt Mitglied werden? In jedem Fall einfach eine Mail an folgende Adresse schicken: willkommen@filippomiller.com

Wir freuen uns über jedes Feedback!

Frisch aus der Druckerpresse ...

... unser Artikel in der new business zum Thema "Kunst der klugen Fragen"

For an English version of our article please CLICK HERE.

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"Wieso, weshalb, warum ... wer nicht fragt bleibt dumm!"

Das Fragen ist eine Grundfertigkeit des Menschen, mit der er sich seine Umwelt erschließt. Dennoch wird die Möglichkeit, Fragen zu stellen, in unserem Geschäftsalltag viel zu selten genutzt. Meist operieren wir in einer Art Autopilot und hinterfragen nicht die Dinge, die wir tun. Woher kommt dieses Phänomen? Um es besser zu verstehen, müssen wir einen Blick in unsere Vergangenheit werfen.

Negative Konnotation von Fragen

Mit „wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm“ werden wir als Kinder in der Sesamstraße zum forschenden Fragen motiviert. Aber Fragen haben in unserer Gesellschaft oftmals auch eine negative Konnotation. Fragen vermitteln Ahnungslosigkeit, Antworten hingegen Wissen. Fragen verunsichern. Antworten beruhigen. Fragen ist verpönt und nicht ohne Risiko: wer fragt, muss mit Gegenwind rechnen, weil sich Autoritäten in Frage gestellt fühlen. Fragen zu stellen, ist gesellschaftlich nicht erwünscht. Warum genau?

Eine Ursache liegt in unserem Bildungssystem. Kinder stellen die Welt noch intuitiv in Frage, um Neues zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein Kind im Alter von vier Jahren im Schnitt rund 390 Fragen pro Tag gestellt hat. Unser Bildungssystem ist jedoch darauf ausgerichtet, uns auf Antworten zu trimmen. Belohnt wird, wer die richtige Antwort weiß und nicht, wer die richtige Frage stellt. Fragen ist das Recht des Lehrers, nicht des Schülers. Jedes Nachfragen hätte einen möglichen Kontrollverlust des Lehrers bedeuten können. Im Laufe des Erwachsenwerdens verlieren wir diese Gabe wieder zunehmend, da sie uns systematisch abgewöhnt wird. Das ist auch bis heute in Unternehmen zu spüren, denn die Generation, die heute vordergründig führt, ist von diesen Lehrern noch ausgebildet worden.

Die Kunst des klugen Fragens wiederbeleben

Der Innovationsguru Clayton Christensen stellt fest, dass Fragen bei vielen Firmenchefs auch immer noch als »ineffizient« gelten. Es erledigt sich einfach vieles leichter, wenn wir es nicht in Frage stellen. Deswegen hat sich in vielen Unternehmen, bewusst oder unbewusst, eine Firmenkultur etabliert, die ihre Mitarbeiter davon abhält, Fragen zu stellen. Führungskräfte sind so sehr darauf bedacht, zu handeln und etwas zu tun, dass sie oft meinen, sie hätten nicht die Zeit, auf Distanz zu ihrem Handeln zu gehen, zu reflektieren, was sie eigentlich tun und zu überlegen, ob sie überhaupt noch auf dem rechten Weg sind. Der „operative-excellence-Modus“ trägt noch seinen Teil dazu bei.

Dabei kommt es heute mehr denn je darauf an, die „Kunst des klugen Fragens“ wieder zu beleben, um zu kreativen Lösungen zu gelangen. Bislang war meistens derjenige am erfolgreichsten, der wusste, wie die Dinge laufen. Doch in einer digitalisierten Welt sind Informationen zu einer Massenware geworden, die uneingeschränkt rund um die Uhr zur Verfügung steht. Ausgerechnet diese Inflation des kollektiven Wissens sorgt dafür, dass die Qualität der Frage proportional umgekehrt zunimmt. Nur wer fragt, eröffnet Räume und schon E. E. Cummings wusste: „Eine schöne Antwort erhält stets der, der eine noch schönere Frage stellt.“ Das bedeutet konkret: es macht heutzutage mehr Sinn, sich lange Zeit mit der Frage zu beschäftigen als mit der Recherche: „Wenn ich eine Stunde Zeit hätte, um ein Problem zu lösen und mein Leben hinge davon ab, eine Lösung zu finden, würde ich die ersten 55 Minuten damit verbringen, die richtige Frage zu suchen, denn mit der richtigen Frage kann ich das Problem in weniger als fünf Minuten lösen.“ (Albert Einstein)

Gewohnte Denkmuster verlassen

Eine Kultur des Fragens wird für Unternehmen überlebenswichtig. Wenn wir etwas in Gang setzen und verändern wollen, müssen wir den Autopiloten bewusst ausschalten, und unsere Reflexe neu trainieren. Das funktioniert am besten, wenn wir unsere gewohnten Denkmuster verlassen und mehr Zeit mit Fragen verbringen. Prof. Dr. Jürgen Werner schreibt dazu: „Strategisch denken bedeutet, der Frage vor der Antwort stets einen Vorrang einzuräumen. Entgegen einem gut beleumundeten Vorurteil in der Wirtschaft ist der Stratege weniger an Lösungen orientiert, denn an Auflösungen interessiert. Nichts stört ihn mehr als festgeschriebene Glaubenssätze, Standards und Stereotypen.“

Klugen Fragen wohnt also eine besondere Kraft inne. Sie ermuntern uns, über Gegenwart und damit auch Zukunft anders nachzudenken. Mit ihrer Hilfe kann es uns gelingen, vertraute Situationen so zu betrachten, als wären sie neu, um ausgetretenen Pfade zu verlassen. Steve Jobs war zum Beispiel ein großer Anhänger des buddhistischen Prinzips, das als „Shoshin“ bezeichnet wird: der „Geist des Anfängers“. Grundlage dieser Denkweise ist die Fähigkeit, fundamentale Fragen zu stellen. Mit ihnen können wir nach neuen Ideen graben und bisher ungesehene Chancen und Möglichkeiten aufspüren: „Most of the innovative entrepreneurs we interviewed could remember the specific questions they were asking at the time they had the inspiration for a new venture.“

Die Kunst des klugen Fragens zelebrieren

Aber was zeichnet eine kluge Frage aus? Warren Berger, der Autor von „Die Kunst des klugen Fragens“, definiert sie wie folgt: „Eine kluge Frage ist eine anspruchsvolle, aber praktisch verwertbare Frage. Sie kann die Art verändern, wie wir etwas wahrnehmen oder über etwas denken. Und das kann bei der Herbeiführung einer Veränderung behilflich sein.“ (Kunst der klugen Fragens, Berlin Verlag, 2014) Eine gut gestellte Frage sollte also immer als Kompliment und Einladung zu einem Perspektivwechsel verstanden werden. Und es lohnt sich, ab und zu mal den vermeintlich Dummen zu geben, im Wissen dadurch schlauer zu werden. Wir sollten diese uralte menschliche Kommunikationsform zum essentiellen Werkzeug umfunktionieren und uns mehr Zeit nehmen, die „Kunst des klugen Fragen“ im Geschäftsalltag häufiger zu zelebrieren. Die anschließenden gewonnenen Goldnuggets lassen sich zu visionären Strategien und Lösungen für Produkte, Unternehmen und Menschen schmieden. In diesem Sinne: Noch Fragen?

Erschienen in: new business 36 / 31.08.2015

Natürlich bieten wir auch ein Workshop-Modul zu diesem Thema an; mehr dazu in unserem Booklet, das es als Download gibt.

Wie viel Leistungssport steckt im Alltag eines Unternehmens?

Unternehmen sind in vielem  mit Profi- bzw. Leistungssportlern gleichzusetzen:

  • Sie messen sich in einer bestimmten Sportart mit ihren Wettbewerbern.

  • Es gibt die etablierten Profis und die aufstrebenden Talente.

  • Ihr Ranking oder ihre Tabelle ist der Down Jones, DAX oder Fortune 500.

  • Beide beherrschen ihren "Sport" auf einem sehr hohen, technisch ausgefeilten und optimierten Niveau.

  • Bei beiden kann die richtige oder falsche Entscheidung spielentscheidend sein.

  • Bei beiden machen automatisierte Abläufe kombiniert mit einem kühlem Kopf in Drucksituation den Unterschied zwischen erfolgreichen und nicht erfolgreichen Entscheidungen in der jeweiligen Spielsituation aus.

Allerdings hat man in vielen Profisportarten, ganz im Gegensatz zu den Unternehmen, schon zwei entscheidende Punkte erkannt: 

1. Der "Feind" steckt meistens im eigenen Kopf 

Sportler, häufig gerade die richtig erfolgreichen, werden irgendwann mit der Frage konfrontiert, warum sie trotz Optimierung und dem stetigen Trainieren ihrer technischen Skills nicht weiter voran kommen bzw. andere an ihnen vorbeiziehen. Was die meisten Spitzensportler schon verinnerlicht haben, wird bei vielen Unternehmen noch verkannt. Oftmals steht der Feind nicht auf der anderen Seite des Spielfelds, sondern er sitzt im Kopf. Der Kopf ist im Falle der Unternehmen das System, die Organisation, die Kultur und ihre Abläufe sowie natürlich die Menschen.

2. You have to PLAY the game NOT TO WORK the game

Sportler wissen, dass eine Balance zwischen mentaler und körperlicher Fitness vorhanden sein muss. Denn, wenn jemand zu verbissen ist, dann hat er in den entscheidenden Spielsituationen nicht die Lockerheit, die er benötigt, um in Bruchteilen von Sekunden den richtigen "Automatismus" abzurufen. Er muss quasi das gesunde “Scheiss-egal-Gefühl” haben, um locker zu sein und trotzdem die nötige Anspannung zu haben. Hat er diese nicht, wird er scheitern. Übertragen auf Unternehmen sieht man das gleiche Phänomen. Nur wer in der Lage ist, unter Druck "locker" zu agieren, und das heißt im übrigen nicht "naiv und verantwortungslos", der wird in den komplexen und dynamischen Märkten von heute erfolgreich sein.

Die Frage lautet nun:

Warum machen immer noch so viele Unternehmen genau das Gegenteil?

Um einen Spieler zu entwickeln, muss man ihn befähigen alleine Entscheidungen zu treffen, da ihm auf dem Spielfeld und im Spiel selbst keiner mehr helfen kann. Dazu braucht er vor allem eins: Selbstvertrauen und eine angstfreie Kultur, die in der Regel vom Management und vom Trainer geschaffen wird.

Übertragen auf den Unternehmenskontext nennen wir das situative Intelligenz, die jeder Unternehmer oder jede Führungskraft oder sogar jeder Mitarbeiter entwickeln muss,  um das Situationspotential zu erkennen und für sich nutzen zu können.

Es muss also ein Wechsel von der reinen Prozessoptimierung (dem Blick von innen nach innen) hin zu Systemoptimierung (dem Blick von aussen nach innen) stattfinden. Das Systemdenken zeigt uns, dass es kein "draußen" gibt, dass wir und die Ursachen unserer Probleme Teil desselben Systems sind.